Goldengirlshoney im Interview mit r.e.mix ...

Deutschland summt: Zwei Hamburger Imkerinnen über den Trend „Urban Beekeeping“ in deutschen Großstädten

 Autor: Yordanka Yankova / 24. März 2016 / r.e.mix Verbraucher

Dreimal um die Welt für ein halbes Kilo Honig: Diesen Weg muss eine Biene zurücklegen, damit wir morgens das flüssige Gold auf unserem Frühstücksbrötchen genießen können. Dabei beträgt die Körpergröße der kleinen Tiere gerade einmal einen guten Zentimeter – eine wahre Meisterleistung also! Eine viel größere Herausforderung stellt jedoch der schwindende Lebensraum für sie dar. Die traurige Folge: weltweites Bienensterben. Da die fleißigen Helfer aber eine unverzichtbare Rolle für unser Ökosystem spielen, setzen sich immer mehr Menschen für den Schutz der Bienen ein – selbst in den Großstädten. Dem Trend „Urban Beekeeping“ haben sich zum Beispiel auch Ann und Julia aus Hamburg verschrieben: Seit 2014 schenken die beiden Stadtimkerinnen ihren Golden Girls nicht nur einen neuen Lebensraum, sondern produzieren auch noch richtig leckeren Honig. Wir wollten es genauer wissen und haben uns mit den beiden unterhalten.

Wie kam es eigentlich dazu, dass ihr inzwischen drei Bienenvölkern ein Zuhause auf eurem Dach bietet?
Das kam mit unserem Büroumzug. Wir haben nun ein freistehendes Haus mit Flachdach mitten in der Stadt und da man für das Imkern viel Platz braucht, hat sich uns hier eine ideale Chance geboten.

Wo und wie „wohnen“ eure Golden Girls genau?
Die Mädels haben es sehr gut bei uns! Unsere drei Völker wohnen jeweils in einer Bienenbeute, einem großen Holzkasten wie man ihn aus der Imkerei kennt. Sie ist hell angestrichen und in jeder Beute befinden sich 12 Rähmchen, die den Bienen zum Bau der Bienenwabe dienen.

Hauptberuflich betreibt ihr ja eure eigene Postproduktionsfirma. Wie war es, noch mal die Schulbank zu drücken und wie lief die Imker-Ausbildung ab?
Der Imker-Kurs fand immer am Abend nach der Arbeit statt, was teilweise ziemlich anstrengend war. Und zu Beginn wird im Kurs sehr viel Theorie durchgenommen. Das ist recht trocken und man muss sich gedulden, weil man eigentlich gleich mit der Praxis loslegen möchte.

Wie viel Arbeit steckt für euch überhaupt dahinter, bis ihr den fertigen Honig abfüllen könnt?
Imkern ist ja Saisonarbeit und die geht von April bis September/Oktober. In dieser Zeit ist sehr viel zu tun und man sollte auch seinen Urlaub genau timen. Einmal pro Woche sind wir bei den Bienen und machen die Durchsicht, das heißt, wir checken ihre Gesundheit und wie sie sich entwickeln. Im Mai und Juni beginnen Bienen zu schwärmen, dann sollte man mindestens alle sieben Tage nach ihnen schauen, um das Volk zusammenzuhalten. Und auch die Honigernte ist recht aufwendig, das hängt aber natürlich davon ab wie viel man erntet. Bei der Ernte muss man zunächst die Rähmchen aus der Beute holen und die Bienen entfernen. Danach werden die Rähmchen entdeckelt und geschleudert. Anschließend filtern wir den Honig. Je nach Zuckergehalt des Honigs kann man dann entscheiden, ob man den Honig flüssig lässt oder ihn cremig rührt. Dabei werden die Zuckerstückchen in tausende kleine Teile zerschlagen und der Honig wird cremiger. Den Vorgang wiederholt man zweimal am Tag über zwei Wochen hinweg.

Was sind aus eurer Sicht die besonderen Herausforderungen des „Urban Beekeeping“? Welche Tipps habt ihr für zukünftige Imker, die noch mit dem Gedanken spielen, selbst Bienen in der Stadt zu halten?
Die größte Herausforderung bezogen auf die Stadt ist eben die vorhin schon erwähnte Schwarmkontrolle. Auch die Gesundheit der Bienen ist hier ein größeres Thema als auf dem Land. Mit der höheren Bevölkerungsdichte an Bienen in Großstädten ist auch die Ansteckungsgefahr unter den Bienenvölkern höher. Da die Biene selbst und das Imkern sehr komplexe Themen sind, empfehlen wir Neu-Imkern einen professionellen Kurs im Imker-Verein zu machen. Dieser dauert zwischen einem halben und einem Jahr. Sich nur ein Buch über das Imkern durchzulesen zeigt zwar den Willen, etwas Gutes zu tun. Das reicht aber noch lange nicht aus, um wirklich ausreichend über dieses empfindliche Tier und die Tätigkeit an sich zu lernen. Es empfiehlt sich auch, sich einen Paten im Imker-Verein zu suchen, der einen in der Anfangsphase unterstützt.

Gebt ihr euer Wissen über das Imkern auch an andere weiter?
Wir bieten eine sogenannte „Inspection“ an, zu der sich Interessierte anmelden und uns dann über die Schulter gucken können.

Ihr lebt mitten in Hamburg. Da denken viele ja erst einmal an die vielen Schadstoffe in der Luft. Kann man euren Honig bedenkenlos essen?
Das stimmt, viele denken, dass Stadthonig eine höhere Belastung hat. Es ist aber eher andersherum. Das liegt daran, dass in der Stadt weniger gespritzt wird als auf dem Land. Es ist meistens eher so, dass die Biene den Weg nach Hause zu ihrem Stock gar nicht mehr schafft und stirbt, wenn sie „schlechten“, mit Schadstoffen belasteten Nektar einsaugt.

Wie beschreibt ihr den Geschmack eures Hamburger Honigs? Schmeckt er anders als beispielsweise Honig aus München?
Generell haben wir zwei Sorten: Frühjahrs- und Sommerblüte. Stadt-Honig hat mehr Nuancen als Land-Honig, da es auf dem Land viele Monokulturen gibt. Im Frühjahr sammeln unsere Bienen den Nektar von Kastanien, Schneeglöckchen oder Waldmeister, wodurch der Honig ein zitrusartiges Aroma erhält. Im Sommer ist der Geschmack durch die Linden würziger und kräftiger. Bienen werden also in der Großstadt auf jeden Fall satt! Der Geschmack ist von Stadt zu Stadt und sogar in unterschiedlichen Stadtteilen verschieden, da sich Bienen ja nur in einem Kreis von sechs Kilometern bewegen.

Hand auf’s Herz: Wie oft werdet ihr gestochen?
Gerne zur Honigernte, ansonsten nicht so oft. In den letzten zwei Jahren etwa drei Mal. Wenn sie schlechte Laune kriegen, strecken Bienen ihren Hintern in die Luft. Ein eindeutiges Zeichen – dann sollte man sich entweder sputen oder etwas anderes machen, bis die Tiere wieder ruhiger sind.

Der Frühling steht vor der Tür. Stehen eure Bienen schon in den Startlöchern?
Auf jeden Fall! Die Vorbereitungszeit läuft gerade. Ab Anfang April, wenn es etwa 10 Grad hat, legen unsere Golden Girls wieder richtig los.

Vielen Dank für das Gespräch, Ann und Julia.